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Meine deutsche Literatur seit 1945 – Marcel Reich-Ranicki

von Franzi
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Das Buch wurde mir vom DVA Verlag zur Rezension zur Verfügung gestellt. Die Rezension spiegelt dennoch meine ehrliche und eigene Meinung wieder.

Marcel Reich-Ranicki war ein halbes Jahrhundert lang einer der erfolgreichsten und bedeutendsten aber auch einer der umstrittensten deutschen Literaturkritiker. Er hat die literarische Nachkriegszeit wie kein anderer bis in das 21. Jahrhundert geprägt. Er war Teil der “Gruppe 47”, schrieb Kritiken für Feuilletons einflussreicher Zeitungen und war Teil des populären “Literarischen Quartett”, das wohl jeder von uns Buchfreunden kennt. 2014 erschien bereits der Band zur Geschichte der Literatur seit dem Mittelalter. “Meine deutsche Literatur seit 1945”, das von Thomas Anz herausgegeben wurde, beschäftigt sich mit der Literatur der Nachkriegszeit und DDR bis hin zur Gegenwart, also mit der tpyischen Gegenwartsliteratur.

Das außergewöhnliche intensive Interesse deutscher Autoren Anfang der sechziger Jahre für psychiatrische Motive ist also vollauf begreiflich – und dennoch beunruhigend. Bisweilen will es nämlich scheinen, dass wir es hier mit zwar naheligenden, aber auch bequemen literarischen Lösungen zu tun haben.”
(S. 34) – Aus Die deutschen Schriftsteller und die deutsche Wirklichkeit.

Wir haben eine hervorragende und bunt gemischte Auswahl an Essays und Kritiken von Marcel Reich-Ranicki vor uns, die zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen gehören. Wir bekommen Einblicke in Lobreden, die bei ihm wahrlich selten sind, und seine Verrisse bekannter, für uns sehr großer SchriftstellerInnen, die mit viel Ironie und Sarkasmus gespickt sind. Dabei sind sie aber immer ehrlich, tiefgründig und gerecht. Trotz teilweiser sehr harscher Worte kann man Reich-Ranicki doch nie böse sein, denn er nimmt ein Buch richtig auseinander. Er zersetzt es, analysiert es, setzt es wieder zusammen und bringt es in den geschichtlichen, gesellschaftlichen Kontext und berücksichtigt dabei immer auch das Gesamtwerk und die Lebensgeschichte sowie den Werdegang eines jeden Autors. Nachrufe, Laudationes und Berichte aus Treffen der Gruppe 47 sowie Teile aus dem berühmten “Literarischen Quartett” runden diese exzellente Auswahl ab.

“Meine deutsche Literatur seit 1945” ist kein leichtes Buch, das man einfach mal zwischenrein liest. Es ist ein Zeugnis der deutschen Literaturgeschichte. Hautnah erleben wir den Wandel in der Literatur der Nachkriegszeit bis heute, die viel die Kriegszeiten und die DDR als Rahmen hat. Egal ob Verriss oder Lobrede, Reich-Ranicki bleibt sich dabei immer treu, ganz egal, ob das Buch bereits gelobt wurde oder nicht. Er steht zu seinem Standpunkt und begründet dabei jedes Detail, das ihm wichtig ist. Gerade die Kritiken zu Beginn des Buches schweifen dabei oft sehr ausführlich in die Umwelt ab und in die Gegebenheiten unter denen die Geschichte entstand. Sehr interessant waren für mich vor allem die Artikel, in denen es um die Literatur und Literaturkritik selbst geht, wie beispielsweise “Kritik auf den Tagungen der Gruppe 47”.

Zwar habe ich mehrer Wochen gebraucht, um diese Auswahl von Marcel Reich-Ranickis wichtigsten Texten zu lesen, aber es waren einige spannende Wochen durch die Welt der deutschen Literatur seit 1945. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der einen Einblick in Reich-Ranickis Gedanken und in die deutsche Literaturgeschichte der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart möchte.

Gute Unterhaltung/Lektüre

Werbung – Angaben zum Buch: DVA, 541 Seiten, 2015, ISBN: 978-3-421-04704-5

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Fraencis Daencis
Gast

Hey Franzi,

mit dem Buch habe ich schon ein wenig geliebäugelt quasi und nach deiner tollen Rezension steht es nun fest auf meiner Wunschliste. Wann ich dazu kommen werde, es zu kaufen, steht zwar in den Sternen, aber ich habe wirklich Lust auf das Buch bekommen!

Übrigens sehe ich die Buttons zum Teilen nicht, sondern nur “PIN IT”, “SHARE”, “TWEET”, “SHARE”, “EMAIL”. Das soll so wahrscheinlich nicht sein, oder?

Liebe Grüße,
Fraencis

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