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Kafka am Strand – Haruki Murakami

von Franzi
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Kafka reißt von zu Hause aus. Er ist 15 Jahre alt. Sein Weg ist gezeichnet von einer schicksalhaften Prophezeiung. Dabei landet er in einer fremden Stadt, wo er Saeki, die geheimnisvolle Leiterin einer kleinen Bibliothek kennenlernt. Er lauscht ihren Geschichten und verliebt sich in diese faszinierende, viel ältere Frau.

Und dann ist da noch Nakata, ein älterer Mann, der die Sprache der Katzen versteht. Deshalb folgt er ihren Spuren und findet verlorene Katzen. Spuren, die ihm den Weg in eine andere Welt zeigen. Ist es ein Traum? Und wo endet diese rätselhafte Reise?

Murakami hat eine absurde Geschichte geschaffen, die fantastische, surreale, reale und auch verstörende Elemente enthält. Ja, mit einer ganz gewissen Sache hat er mich nachhaltig verstört, ich habe heute noch Albträume davon. Dennoch hat er mich total fasziniert und gefangen, es ist einfach so absurd, dass es schon wieder richtig richtig gut ist. Denn Murakami schreibt auch sehr einnehmend und poetisch, irgendwie wild und doch ruhig. In jedem Fall wunderbar stimmig. Eine Geschichte, die unter die Haut geht, die man erst mal eine Weile verdauen muss, die ich auch Wochen danach noch nicht ganz begreife.

Murakami bringt verschiedene Erzählstränge und Perspektiven geschickt in einen Zusammenhang – die Reise von Kafka, der Geschichte damals, im Zweiten Weltkrieg und dem hier und jetzt von Nakata. Wobei mich die Aufklärung der Sache aus den Protokollen im Zweiten Weltkrieg brennend interessierte. Dahingehend müssen wir aber auch zum Ende des Buches im Dunkeln tappen. Denn der Hauptbestandteil dieser einzigartigen Geschichte ist der um Kafka, gefolgt von Nakata. Später, in einer Welt, von der man nicht weiß ob sie real ist oder nicht, kreuzen sich auch deren Wege auf verwirrende Weise.

Trotz der offenen Fragen und ungelösten Rätsel hat mich „Kafka am Strand“ beeindruckt und auch berührt. Denn es war nicht nur eine Art modernes Pop-Kultur-Märchen mit starken, japanischen Einflüssen. Sondern auch eine Geschichte zwischen Schicksal, Vorherbestimmung und der eigenen freie Entscheidung, sein Leben so zu führen, wie man es möchte. Darum, Träume zu verwirklichen zwischen all den Erwartungen und Konventionen.

Eine Geschichte, die mehr Fragen bringt als Antworten, verwirrend, verstörend und gerade deswegen ganz besonders und faszinierend. Ich bind nachhaltig beeindruckt, von der Vielschichtigkeit, dem poetischen, tiefgehenden Schreibstil und den faszinierenden Protagonisten. Zwar habe ich noch immer keine Ahnung, was genau das jetzt alles bedeuten soll. Ich denke, Kafka am Strand ist eine Geschichte, in die jeder irgendetwas anders interpretieren kann, in der jeder andere Schwerpunkte sieht. Um das zu verstehen, bleibt euch nur eins – traut euch an Murakami und lest dieses verrückte, einzigartige Werk.

Gute Unterhaltung/Lektüre

Werbung – Angaben zum Buch: BTB, 636 Seiten, 2006, Übersetzung: Ursula Gräfe, ISBN: 978-3-442-73323-1

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Anna
Gast

Hallöchen!

Ich will schon immer einen Murakami lesen, weil alle so davon schwärmen! Ich fühle mich so, als würde ich wirklich alles verpassen, wenn ich es nicht tue.

Und ich glaube, dass ich nun mit Kafka am Strand anfangen werde, denn für surreal bin ich ja immer zu haben!

Vielen Dank für die tolle Rezension und den Buchtipp!

Viele liebe Grüße vom #litnetzwerk,
Anna

Alexandra
Gast

Liebe Franzi,

als ganz großer Murakami-Fan musste ich deine Rezension natürlich gleich mal lesen 🙂
Murakami ist einfach sehr speziell und ich glaube hier gilt: entweder hasst oder liebt man ihn! Dazwischen gibt es wohl eher nichts 🙂
ich möchte dir unbedingt “Südlich der Grenze, westlich der Sonne” von ihm empfehlen. Ein so tolles Buch <3

Liebe Adventsgrüße
Alexandra