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Die Nachtigall von Kristin Hannah

von Franzi
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Werbung: *Das Buch wurde mir von Netgalley und dem Aufbau Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Die Rezension spiegelt dennoch meine ehrlich und eigene Meinung wieder.

Die Nachtigall von Kristin Hannah beleuchtet einen bewegenden und viel zu oft vergessenen Teil des Zweiten Weltkrieges. Zwar kämpfen die Männer und Jungs an der Front für ihr Land. Doch dass auch die Frauen im Krieg einen wichtigen, entscheidenden Beitrag leisten, wird oft vergessen, unter den Tisch gekehrt. Häufig wollten die Frauen nachdem Krieg einfach nur die Scherben aufsammeln und weitermachen, so gut es ging und vergessen, ohne groß über ihre Taten, ihre Erfahrungen und ihren ganz eigenen Kampf zu reden.

Kristin Hannah hat von Frankreichs Frauen erfahren, die auf ihre Weise den Krieg überstanden, ihr Land unterstützten. Frauen, die mit Nazis zusammenleben mussten, wenn ihr Haus im besetzten Frankreich strategisch gut lag. Männer, die immer aggressiver und brutaler werden konnten, je schlechter es für die Deutschen im Krieg Stand. Frauen, die jüdische Kinder versteckten und so vor dem KZ und dem sicheren Tod retteten und damit ihr Leben und das der eigenen Familie in Gefahr brachten. Frauen, die sich der Résistance anschließen, abgeschossene Piloten aus England und den USA verstecken und zur Flucht verhelfen.

Wenn ich in meinem langen Leben eines gelernt habe, dann ist es Folgendes: In der Liebe finden wir heraus, wer wir sein wollen; im Krieg finden wir heraus, wer wir sind.
S. 7

Hannah wollte ihre Geschichten verbreiten, eine, die viel zu oft untergeht, wo sie doch so wichtig war. Sie erzählt von zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Sie haben bereits erlebt, wie Männer aus einem Krieg zurückkommen. Denn ihr Vater kämpfte bereits im Ersten Weltkrieg und war nie wieder derselbe, verstieß die beiden. Vienne, die ältere, besonnen und vorsichtig, die schon vor dem Krieg ihre Kämpfe austragen musste, gegen Mutternatur. Verheiratet und mit ihrer Tochter Sophie. Den ganzen Krieg über kämpft sie für das Überleben ihrer Familie. Und Isabelle, die schon immer erst redete, bevor sie dachte, störrisch und rebellisch. Sie schließt sich der Résistance an und hilft unzähligen Piloten, den Fluchtweg über die Pyrenäen zu bestreiten.

Kristin Hannah nimmt uns tief mit in das Geschehen, mit kraftvollen, berührend beschriebenen Szenen. Ich kämpfte mit beiden Schwestern unaufhaltsam mit. Freute mich über die kleinen Triumphe und spürte die Beklemmung und Todesangst. Hannah schreibt einnehmend, atmosphärisch, ungeschönt und knallhart. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, die Gräueltaten und unfassbaren Lebensumstände im besetzten Frankreich zu beschreiben. Wie die Nazis mit den Franzosen umgingen, ganz besonderen den jüdischen.

Während sie uns mitnimmt in das harte Leben der beiden Schwestern, wirft sie immer wieder die Frage auf – wie weit kann man gehen, um zu überleben. Wie weit darf man gehen, um zu überleben und die zu schützen, die man liebt? Wird man zum Feigling oder zum Helden?

Sie schafft es, die Ängste, Beklemmungen aber auch Hoffnungen und Liebe bis in die eigenen vier Wände zu transportieren und dabei authentisch zu bleiben. Als lese man die Geschichte von wirklichen Personen. Denn die Geschichte baut auf wahren Geschehnissen auf, auf die Kämpfe und Taten der Frauen im besetzten Frankreich.

Sie bereitete mir von Seite zu Seite eine Gänsehaut, episch und kraftvoll vermittelt sie gleichzeitig auch ein Stück der französischen Geschichte und der Geschichte des Zweiten Weltkrieges.

Highlight/wichtige Lektüre

Werbung – Angaben zum Buch: Aufbau Digital, 608 Seiten, Übesetzung: Karolina Fall, ISBN: 978-3-492-30446-7

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Ascari
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Hey 🙂

Für mich war dieses Buch mein ganz persönliches Jahreshighlight 2016. Oft muss ich ja überlegen, ob ich in einer Rezi wirklich fünf Sterne geben will oder nicht – bei diesem Buch hätten es auch sechs oder mehr sein dürfen.
Freut mich, dass es dich auch so begeistern konnte!

Liebe Grüße
Ascari

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[…] kurz nach dem Zweiten Weltkrieg und macht mich daher neugierig. Denn mich konnte neulich schon „Die Nachtigall“ begeistern, wo die Frauen in Frankreich während des Zweiten Weltkrieges in den Vordergrund […]