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Die Ermordung des Commendatore I – Haruki Murakami

von Franzi
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*Das Buch wurde mir vom Dumont Verlag zur Verfügung gestellt. Die Rezension spiegelt dennoch meine eigene und ehrliche Meinung wieder.

Kafka, Mystisches und die Grinsekatze aus Alice im Wunderland getarnt als Idee? Passt das? Ja, tut es! Trotz einiger Längen zwischendurch konnte mich Murakami auch mit “Die Ermordung des Commendatrore I” begeistern. Dieses Mal gelang mir das warm werden sofort, gefühlt war es deutlich weniger sperrig geschrieben, als teilweise anderer Werke von ihm. Oder ich bin einfach mittlerweile an Murakamis Art zu Schreiben gewöhnt.

Wir reisen zunächst alleine mit unserem namenlosen Erzähler durch Japan, bis er sich in ein abgelegenes Haus in den Bergen zurückzieht, dass einst einem bedeutenden Künstler gehörte. Bisher verdiente er sein Geld als Porträtist, will diese Arbeit jedoch aufgeben. Bis er eines Tages ein lukratives Angebot erhält. Er soll ein Porträt eines sehr reichen Mannes erstellen, der ihn eigens dafür ausgewählt hat. Zwar zögert er zunächst, nimmt das Angebot aber doch an. Doch irgendwas läuft nicht mehr richtig. Er schafft es einfach nicht, diesen Mann zu greifen, sein wahres Ich zu finden und auf Papier zu bringen.

In all diesen aufwühlenden Tagen entdeckt er eines Nachts ein unbekanntes, meisterhaftes Gemälde auf dem Dachboden. Ein Gemälde mit dem Titel “Die Ermordung des Commendatore”. Das Bild lässt ihn nicht mehr los, er ist fast wie besessen davon und muss es immer und immer wieder ansehen und analysieren. Was ist das Geheimnis dahinter und warum kennt das Bild noch niemand und warum war es versteckt auf dem Dachboden? Und noch dazu geschehen immer merkwürdigere Dinge, seit er das Gemälde fand. Da bleibt nur eine Frage – sind sie real, Fiktion oder doch eine Halluzination?

Alles in allem klingt da alles recht wirr und irritierend. Was es auch irgendwie war, aber auch irgendwie wieder vollkommen logisch und gerade deswegen eine wahnsinnige Faszination auf mich ausübte. Murakami verwischt geschickt Realität mit Mystik, Geistern, Surrealem und tatsächlich auch Anspielungen auf Kafka und Alice im Wunderland. Eine Mischung, die mich begeisterte und zugleich vollkommen verwirrte, was mir bei Murakamis Geschichten immer passiert.

Aber vor allem begeisterte mich wieder sein Schreibstil. Er schreibt so wahnsinnig atmosphärisch, sodass ich mich jederzeit direkt wie vor Ort fühle. Gegen Ende fühlte ich mich richtiggehend beklommen, spürte den sanften Nieselregen, konnte die Stille direkt greifen und mir liefen kalte Schauer über den Rücken bei dem Gedanken an all das, was die Gegebenheiten wohl bedeuten könnten. All das schafft Murakami mit einem erstaunlich schlichten, eher schnörkellosem Schreibstil.

Mir ist es glaube ich noch nie so schwergefallen, euch zu beschreiben, wie mir ein Buch gefiel. Es war so faszinierend-irritierend-bildgewaltig und das, obwohl ich die Handlung streckenweise als verhältnismäßig einfach empfand. Es plätschert eine Weile dahin. Doch sobald Murakami wieder diesen Bogen zu etwas mystischen, unbegreiflichen und unbeschreiblichen schwingt, geht die Geschichte wie gewohnt unter die Haut. Ein Buch, dessen Handlung zwar teilweise eher schleppend war, dessen nerdhaftigkeit, die Murakami dort einspielen lässt (Kafka, Alice, Lieblingsmusiker) und dessen mystisch-unter-die-Haut-gehende Entwicklung und Schreibe mich aber fesselten.

Zwischendurch und schon vorab im Prolog, werden so viele Anspielungen fallen gelassen, was alles noch kommen wird, die mich extrem neugierig auf Band zwei machen. Band eins scheint schon fast nur ein harmloses Vorspiel zu den scheinbar unfassbaren Ereignissen zu sein, die wohl im zweiten Teil noch kommen werden. Er wird also in jedem Fall bei mir einziehen!

Gute Unterhaltung/Lektüre

Werbung – Angaben zum Buch: Dumont, 480 Seiten, 2018, Übersetzung: Ursula Gräfe, ISBN: 978-3-8321-9891-6

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