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Der Verrat von Ellen Sandberg

von Franzi
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Rezensionsexemplar/Werbung: Die Rezension spiegelt dennoch meine eigene und ehrliche Meinung wieder.

Nane wird nach zwanzig Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen. Vieles hat sich verändert. Doch die Schuld lastet weiter auf ihr. Und auch die Erinnerung an die Nacht, die ihr Leben zerstörte und auch das Verhältnis zu ihrer Schwester Pia haben sich nicht verändert. Pia hingegen hat es gut getroffen. Sie ist erfolgreiche Restaurateurin und lebt mit ihrem Mann auf einem idyllischen Weingut an der Saar. So kann Sie natürlich leicht verdrängen, dass ihr Glück auf einem ziemlich brüchigen Fundament gebaut ist. Und dann kommt Nane wieder und Pia ahnt, dass es Zeit für die Wahrheit und damit für Rache oder Vergebung ist.

Drei Schwestern, ein Mann, ein Mord

Für mich war “Der Verrat” das erste Buch von Ellen Sandberg, einige haben vielleicht schon “Die Vergessenen” gelesen. Das Buch hat mir ziemlich gut gefallen, ein klitzekleiner Minuspunkt ist der Anfang. Der zieht sich nämlich erst einmal eine Weile hin. Zwar wird das gebraucht, damit wir die schwierige, vertrackte Beziehung zwischen den drei Schwestern, aber vor allem Pia und Nane, verstehen können. Nur diese langsame und ausführliche Hinführung, das Beleuchten ihres Lebens bis zurück in die Kindheit, macht es möglich, dass wir verstehen, wie sie ticken und warum zwischen Ihnen so eine grauenhafte Beziehung steht, wo all dieser Neid, Hass und die Missgunst herkommt. Wie sich die Ereignisse letztlich irgendwann zu einer grausamen Nacht zusammenfügen konnten. Dennoch wird die Geschichte dazu erst mal etwas gebremst.

Doch dann wird es, wie ich finde, spannend – haufenweise, “Was-wäre-wenn”-Möglichkeiten, so viele Ideen, was in dieser Nacht vor gut 20 Jahren passierte. Ich lag natürlich mit allem komplett daneben! Was ganz klar für Ellen Sandberg spricht. Nachdem wir alle Charaktere kennengelernt haben, springt sie für mich immer gemeiner zwischen Nane und Pia hin und her, gerade wenn man glaubt, endlich endlich mehr erfahren zu dürfen. Zack – wieder eine sanftere Szene bei einer anderen Protagonistin und ich musste weiter rätseln. Das hat sie sehr gut gemacht und konnte damit wieder einiges gut machen und die lange Einführung, die so tief in die Beziehung und auch psychologischen Zusammenhänge dahinter geht, macht am Ende des Buches auch noch absolut Sinn.

Etwas schroffes Ende, wenig Sympathien

Kommen wir zu den Protagonisten – vor allem Pia und Nane stehen hier im Vordergrund. Phu, also Pia finde ich einfach nur grauenhaft, wirklich, absolut. Nana war mir nicht unbedingt sympathisch, aber sie war sehr authentisch und hat hin und wieder ein paar gute Momente gezeigt. Aber gerade in jungen Jahren wow, wow, fand ich sie schlimm. Aber, Ellen Sandberg führt uns auch sehr gut in die Psyche, die Kindheit und die Entwicklung der Schwestern ein. Und so wissen wir genau, warum sie sind, wie sie sind und ihr Handeln und Auftreten wurde für mich dadurch absolut nachvollziehbar. Dass ich mit ihnen nicht warm wurde, war also im Falle von “Der Verrat” sogar gut geglückt. Neben den beiden gab es noch einen ganzen Haufen weiterer Protagonisten, die mehr oder weniger wichtig sind. Manche bleiben im Hintergrund, aber alle, die für die Handlung wichtig sind, werden so weit nötig gut herausgearbeitet und wirkten für mich authentisch.

Jetzt kommt ein kleines ABER: das Ende, phu. Ja, ich mochte es schon irgendwie und sie hat mich damit auch überrascht. Aber, irgendwie war es so plötzlich da und zack erzählt. Da baut sich das alles zu verzwickt und verbandelt auf und dann ist es quasi mit einem halben Absatz erledigt. Das hat mich etwas schroff aus der Geschichte entlassen und ich hätte gerne noch ein, zwei Kapitel mehr gehabt, um ein rundes Ende zu erleben. Dafür hat Ellen Sandberg aber das ganze Buch hinweg mit einer sehr guten Atmosphäre und bildlichen, beeindruckenden Szenenbeschreibungen punkten können und das Cover fängt das Ganze perfekt ein.

Gute Unterhaltung/Lektüre

Werbung – Angaben zum Buch: Penguin, 480 Seiten, 2018, ISBN: 978-3-328-10090-4

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Franzi S.Kerstin von KeJas-BlogBuchPetzi Letzte Kommentartoren
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Petzi
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Vielen Dank für deine Verlinkung. 🙂

Kerstin von KeJas-BlogBuch
Gast

Hallo Franzi,
um das Buch schleiche ich schon eine Zeit. ‘Die Vergessenen’ fand ich sehr gut, mit spannenden Charakteren und auch den Blicken in die Vergangenheit. In ‘Der Verrat’ scheint auch die Vergangenheit eine große Rolle zu spielen. Ich bin noch hin und her gerissen, ob es für mich nicht zu einer Enttäuschung würde aber du hast mich doch sehr neugierig auf diese zwei Frauen gemacht. Danke für deine super Rezension, liebe Grüße
Kerstin