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Blue Note Girl von Bernd Richard Knospe

von Franzi
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Werbung: *Das Buch wurde mir vom ProTalk Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Die Rezension spiegelt dennoch meine ehrlich und eigene Meinung wieder.

Janina Nossak, eine junge, begnadete Sängerin und Klavierspielerin, verschwindet nach ihrem ersten öffentlichen Konzert spurlos. Ein Abend, der berührte und ihr Durchbruch hätte sein können. Stattdessen verliert sich ihre Spur nach diesem Auftritt für immer im Nichts. 15 Jahre danach meint Eric Teubner, Journalist, einen Hinweis auf ein mögliches Verbrechen entdeckt zu haben. Auf einem Video des Abends, welches er sich immer wieder ansieht, während er dabei sein Leben drumherum und seine Freundin Marie vollkommen vergisst. Er brennt nur noch für Janina, die er nur vom Fernsehbildschirm kennt und möchte ein Buch über sie schreiben. Dabei rollt er den alten Fall noch einmal auf. Seine Spurensuche wird schon bald zur Obsession. Mit seiner Hartnäckigkeit löst er schon bald eine Kette fataler Ereignisse aus und weckt schlafende Hunde der Vergangenheit.

Während seine Suche lernen wir Eric und auch seine viel jüngere Freundin Marie kennen. Zudem stoßen wir auf zahlreiche weitere Charaktere: Den Ex-Polizisten, der damals die SOKO Janina leitet, verstorbene Frau und natürlich jetzt Alkoholiker. Seine Kollegin, die damals angeschossen wurde, jetzt im Rollstuhl sitz und eigentlich schon längst aus dem ganzen Mist raus ist. Einen verrückten Stalker, der damals wie besessen von Janina war und dessen Vater, einen dubiosen Herren namens “der Engländer” und zwei dämliche, stark überzogene Handlanger, eine grantiger Chefredakteur, ein Privatdetektiv, der zwar nicht trinkt, aber trotz Krebserkrankung weiter raucht wie ein Schlot und dessen Heilpraktiker/chinesische Medizin Mann. Und und und und.

Ja, man kann leicht den Überblick verlieren und trotz der Fülle an ProtagonistenInnen muss ich sagen – warm werden konnte ich mit keinem davon. Sie waren zwar ganz gut ausgearbeitet und hatten mehr oder weniger gut aufgearbeitete Hintergründe, aber die meisten davon waren einfach, auch ganz bewusst, keine sympathischen Menschen. In jedem Fall waren die Hauptprotagonisten recht vielschichtig und weder nur gut oder nur schlecht. Allerdings hat Bernd Richard Knospe hier und da doch zu tief in die Klischee-Kiste gegriffen. Muss dieser verdammte Alkoholismus denn wirklich immer sein? Wenigstens verharmlost er das Ganze nicht und man merkt, wie negativ es das Leben des Protagonisten beeinflusst hat.

Der Schreibstil war sehr flüssig und eher schlicht gehalten. Teilweise las sich Blue Note Girl wie eine schlichte Aberzählung von Ereignissen, ähnlich eines Protokolls. Was allerdings ganz gut passte. Vermischt hat sich das Ganze aber mit tiefgehenderen Abschnitten, speziell dann, wenn es um Musik und die Liebe zur Musik geht. Das, was Musik mit einem machen kann, was sie für einen bedeuten kann, der nur dafür lebt und sich am liebsten über seine Stimme, sein Klavier und ähnliches ausdrückt. Diese Stellen haben mir am besten gefallen, da diese Leidenschaft richtig greifbar wurde.

Insgesamt war mir das Alles aber etwas zu viel. Der ein oder andere Protagonist und Nebenschauplatz weniger hätte auch gereicht. Spannend war es aber dennoch die meiste Zeit, wenn es auch durch die sehr häufigen Vorstellungen und Infos zu den Protas zwischendurch immer etwas an Fahrt verliert. Was mich allerdings sehr störte, war das durchweg miese Frauenbild, was die werten Herren scheinbar alle miteinander hatten. Hier kommen wirklich zahlreiche Klischees und Grenzüberschreitungen zutage.

Dann gibts noch die Assistentin, die eigentlich so viel mehr kann, aber sich nicht traut. Eine Sekretärin, die irgendwann den Chef vögelt, darf auch nicht fehlen. Jedes weiblich Wesen wurde erst mal auf Aussehen reduziert. Sorry, geht einfach gar nicht. Man kann das auch echt weniger über der Gürtellinie verpacken, auch in diesem Genre und Milieus, in die man sich hier teilweise begibt. Das nervte doch gewaltig und hat das Buch für mich etwas heruntergestuft. Es mag sein, dass es nun mal zu den Protagonisten und dem Hintergrund passt, aus welchem diese teilweise kommen. Aber an manchen Stellen hätte es einfach nicht sein müssen.

Insgesamt war das Buch zwar ganz spannend, die Musik-Sache gefiel mir sehr und auch der Ausgang am Ende überraschte mich. Es reiht sich in meinen gelesenen Büchern eher im soliden Mittelfeld ein und wer sich an den genannten Punkten nicht stört, kann gut unterhalten werden. Überzeugen kann Bernd Richard Knospe mit einer schlüssigen Geschichte und durchdachten Plotwendungen, dämpft es aber durch ein mieses Frauenbild und zu viel Klischee.

Für Zwischendurch

Werbung – Angaben zum Buch: ProTalk, 317 Seiten, 2018, ISBN: 978-3-939990-46-8

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